Wer in den Bergen unterwegs ist, kann heutzutage durch die gute Erschließung der Wanderwege und Hütten, vor allem im Alpenraum, doch recht frei drauf los laufen. Hier sind ein paar Ratschläge, die es jedoch zu beachten gilt und das Bergerlebnis für alle nachhaltiger und sicherer machen kann. Sie sind auch auf den Seiten der Alpenvereine zu finden.
1. Vorbereitung: Will man hoch hinaus, sollte man bedenken, dass dies einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Als Faustregel gilt: 400 Höhenmeter aufwärts pro Stunde sollten für Geübte kein Problem sein. Herunter sind 500 Höhenmeter realistisch. Nur die Wegstrecke heranzuziehen ist eher unüblich. Wer zum ersten Mal in den Bergen unterwegs ist, sollte für den Aufstieg 300 - 350 und für den Abstieg 400 Höhenmeter annehmen.
2. Zeit: An vielen Wegweisern steht eine Zeit bis zum Ziel. Davon rückt man aber zunehmends ab. Diese sind recht großzügig angenommen und stellen ein Mittelmaß dar. Geübte unterbieten meist diese Zeit, ohne groß zu hetzen. Für manche stellt die angegebene Zeit aber gleich eine abschreckende Wirkung dar. Es ist also ein schmaler Grat zwischen Erfahrung, Kondition und der richtigen Akklimatisierung.
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| Die Zeiten sind teils großzügig angegeben |
3. Akklimatisierung: Steigt man in höhere Lagen auf, kann es durchaus sein, dass ab 2.000 m Schwindel, Müdigkeit oder Kopfschmerzen auftreten. Dies können die ersten Symptome der sogenannten Höhenkrankheit sein. Im schlimmsten Falle können sich durch den geringeren Luftdruck Ödeme bilden, die auch tödlich sein können. Ausreichende Akklimatisierung - also das wiederholte Aufsteigen in immer größere Höhen - ist absolut wichtig. Im Alpenraum kann das bis zu 3 Tagen in Anspruch nehmen. Der Körper hat so ausreichend Zeit, rote Blutkörperchen nachzubilden um den Sauerstoffmangel entgegenzuwirken.
4. Kondition/ Trittsicherheit/ Schwindelfreiheit: Ein Punkt, der eigentlich bei jedem Tourenbericht gefordert ist. Wer sich im Terrain über 3.000 m bewegt, sollte auch bei sogenannten Schlüsselstellen wissen, was er macht. Ausgesetzte Passagen, Tiefblicke über mehrere hundert Meter dürfen keinen Einfluss auf die Psyche und damit auch auf die körperliche Verfassung haben. Auch die dünne Luft kann zu Konzentrationsschwächen führen.
5. Ausrüstung: Heute gibt es für alles irgendwelche Hilfsmittel. Es muss nicht immer die High-Tech-Ausstattung sein. In den Rucksack sollte auf alle Fälle eine Karte der Umgebung, schließlich kann der Handyakku leer oder ist beim letzten Schnappschuss runtergefallen sein. Entsprechend der Tour muss auch über Handschuhe (hilfreich bei Stahlseilen, bei Kälte oder am blockigen Gipfelgrat) nachgedacht werden. Weiterhin gehören Pflaster (auch Blasenpflaster), eine Rettungsdecke, ein Messer, Schmerztabletten und eine Mütze zur Grundausstattung. Trekkingstöcke entlasten die Knie oder helfen auch mal bei schwierigen Passagen. Entsprechende Schuhe - je nach Gelände - sind obligatorisch.
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| Wanderführer unterstützen bei der Tourenplanung |
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| Trekkingstöcke, Eispickel oder Rettungsdecke: nur das Notwendige einpacken |
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| Berg- oder Wanderschuhe, Grödel oder Steigeisen: je nach Gelände und Bedingungen |
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| Von kleinem Ausflug bis Mehrtagestour: auch die Rucksackgröße sollte berücksichtigt werden |
6. Flüssigkeit und Nahrung: Vor dem Start sollte ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden. Wasserflaschen oder Trinkblasen gehören ebenfalls zur Grundausstattung. 2 l sollten es bei ausgedehnten Bergtouren mindestens sein, gerade wenn unterwegs keine Hütten existieren. Große Brotzeiten müssen nicht unbedingt mitgenommen werden, auch wegen des Gewichtes. Hochkalorische Riegel und Gels sowie eine Banane reichen meist für die Gipfelrast. Und beim finalen Einkehrschwung schmeckt der Kaiserschmarrn gleich viel besser.
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| Das Wichtigste an Verpflegung |
7. Müll: Die Bergwelt - wie auch die gesamte Umwelt - ist kein Abfalleimer. Ein kleiner Zippbeutel reicht in aller Regel aus, um produzierten Müll wieder mitzunehmen. Auch schadet es nicht kleinere Verpackungen auf dem Weg einzusammeln. Es kann Jedem mal passieren, dass die Müsliriegelverpackung aus der Seitentasche des Rucksacks fällt.
8. Auf den Wegen bleiben: Die Wanderwege sind nicht umsonst so angelegt. Sie bieten meist den sichersten Weg und dienen weiterhin dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt.
9. Nichts mitnehmen oder abbrechen: Was soll hier groß gesagt werden? Die Natur hat diese Welt hier oben erschaffen. Pflanzen sind oft geschützt und Steine sind kein Souvenir. Über die Kamera des Handys kann alles festgehalten werden.
10. Orientierung: Die Sonne zieht immer von Osten nach Süden und geht im Westen unter. Sie dient als ideale Orientierung - auch um die Tageszeit im Blick zu halten. Bei Bewölkung kann auf dem Handy auch die gelaufene Strecke erfasst werden, um zum Ausgangspunkt zurückzufinden. Sollte das Handy nicht zur Verfügung stehen, dann ist die mitgenommene Karte immer noch da.
11. Das eigene Können einschätzen: Eine Tour abzubrechen ist nicht schlimm. Schlechtes Wetter, körperliche Verfassung oder Angst etc. sind immer ein Kriterium, umzukehren. Hilfreich ist auch, jemanden Bescheid zu sagen, wenn man auf eine ausgedehnte Tour geht. Im Notfall kann dann vielleicht Hilfe geholt werden.
12. Wetter: Das Wetter kann in den Bergen vielfältig sein. Auch nimmt die Temperatur pro 100 m etwa um 0,6 bis 0,8 Grad ab. Wer sich von Norden dem Ziel nähert, könnte lange im Schatten laufen. Wer von Süden aufsteigt, ist teils extremer Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Sonnencreme mit LSF 50 vor Tourbeginn ist Pflicht, nachcremen mit LSF 30 nicht vergessen - auch bei diffusen Lichtverhältnissen. Und sollte dann der Regen oder Gewitter am Nachmittag kommen, ist ein Poncho oder eine Regenjacke von Vorteil.
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| Von Regenjacke bis Sonnenbrille: das Wetter ist wichtiger Mitspieler |
13. Achtung bei Apps: Andere können über verschiedene Anbieter/ Apps eigene Tourenberichte online stellen. Da diese sehr subjektiv sein können, ist hier Vorsicht geboten. Sie ersetzen nicht die eigene Vorbereitung und Erfahrung. Für Ideen und neue Wege, wo man was unternehmen kann, haben sie aber durchaus ihre Daseinsberechtigung.
Zu guter Letzt: Jeder muss selbst entscheiden, welches Ziel man hat und wie es angegangen wird. Es ist u.a. ein Mix aus den oben genannten Punkten. Die Berge stellen die Bedingungen für eine erfolgreiche Tour. Das Ziel ist erst erreicht, wenn man wieder im Tal ist.